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Zurück zu den Siebzigern - EMP - 10.10.2001



Die per se leere Geldbörse vieler Onkelz-Fans könnte jetzt erneut in ihren Grundfesten erschüttert werden: Nur wenige Monate nach der Tournee-DVD bringen Stefan Weidner, Kevin Russel, Matthias Röhr und Pe Schorowski unter dem Titel "20 Jahre - Live in Frankfurt" eine brandneue 2-DVD-Plus mit Aufnahmen vom Jubiläumskonzert im Frühjahr 2001 in der Frankfurter Festhalle auf den Markt. Was den Anhänger der Band darauf alles geboten wird, wie das Resümee der Sommer Open Airs ausfällt und was die weiteren Zukunftsplanungen der Gruppe bringen, erfahrt ihr im folgenden Gespräch mit Bassist und Sprachrohr Stefan Weidner. Die Onkelz auf riesigen Open Air Bühnen vor bis zu 20.000 Zuschauer: Hast du dir eine solche Entwicklung jemals träumen lassen?

"Vor zehn Jahren jedenfalls noch nicht. Damals hat man sich so etwas natürlich insgeheim gewünscht, aber natürlich nie und nimmer erwartet. In den vergangenen Jahren zeichnete sich diese Entwicklung allerdings schon ab. Immerhin haben wir zuletzt fast nur noch in den größten Hallen Deutschlands gespielt, und die waren nahezu immer ausverkauft."

Fanscharen wie bei einer Mainstream-Band und dass bei einem Ruf wie Donnerhall. Kannst du dir diesen Widerspruch erklären?

"Vielleicht ist das ja gar kein Widerspruch. Unser Ruf war ja durchaus auch förderlich. Alles, was sagenumwoben ist, was irgendwie düster wirkt, fasziniert die Leute. Allerdings muss man schon sagen, dass es in Deutschland für eine Band eigentlich das Ende bedeutet, wenn man ihr den Ruf von Rechtsradikalismus zuweist. Politikern, die man fertig machen will, hängt man eine Sex-Affäre an. Künstler werden einfach in die rechte Ecke gestellt. Fertig, aus!"

Ihr habt euch durchgesetzt, habt in den vergangenen Jahren Platten wie geschnittenes Brot verkauft und wart dennoch dünnhäutig, als es Kritik an der Tournee-DVD gab. Weshalb warst du so angefressen, bei derartigen Erfolgskurven hättest du die Kritik doch souverän ignorieren können, oder?

"Der Vorwurf lautete ja, dass wir Geldschneiderei betreiben. Und eine solche Vorhaltung war einfach völlig aus der Luft gegriffen, deswegen hat sie mich so geärgert. Natürlich verdienen wir sehr gut mit den Onkelz, aber dennoch denken wir nicht an Kommerz. Man könnte aus der Band viel mehr rausholen, wenn man wirklich alles ausschlachten würde. Das machen wir aber nicht, ganz im Gegenteil: Wir haben finanziell richtig bluten müssen, um einige Songs von unseren früheren Plattenfirmen freizukaufen und sie auf der Scheibe platzieren zu können. Metal Enterprises oder Bellaphon bringen irgendso eine halbherzige Best of-CD raus, und keiner meckert. Wir veröffentlichen seit zwanzig Jahren die allererste eigene Best of-CD, mit allen Phasen unserer Karriere, und einige Leute schreiben, wir würden nur unsere Fans abzuzocken versuchen. Das muss einen doch ärgern. Allerdings: Vielleicht war meine Reaktion tatsächlich etwas zu emotional."

Wird dieser Vorwurf anlässlich der neuen 2-DVD-Plus nicht erneut aufflammen?

"Ich hoffe nicht, obwohl es in der Tat nicht sonderlich glücklich ist, dass beide DVDs so schnell hintereinander erscheinen. Aber die Aktualität hat es nun einmal so ergeben."

Aktualität heißt: Jubiläumskonzert in der Frankfurter Festhalle. Und das in exzellenter Ton- und Bildqualität!

"Wir zeigen mit der neuen DVD, was technisch alles machbar ist. "Live in Frankfurt" ist ein absolutes Referenzprodukt. Wir sind die ersten weltweit, die einen 6.1 Ton anbieten. Dadurch entsteht nicht nur ein Konzertfeeling, sondern man fühlt sich wie in der 13. oder 14. Reihe. Für alle, die diese technischen Möglichkeiten noch nicht nutzen können, gibt es zudem einen 5.1 Dolby Surround Sound. Man kann das komplette Konzert aus unterschiedlichen Fanperspektiven anschauen, wofür ein riesiger Übertragungsaufwand notwendig war. Allein vierzehn Kameras haben die Show gefilmt."

Das gesamte Konzert dauerte mehr als drei Stunden, wieviel davon ist auf der DVD zu sehen.

"Wir haben die Sache auf zwei Stunden limitiert, auch um zu viele Überschneidungen zur Tournee-DVD zu vermeiden. Im ersten Teil des Abends haben wir ja auf einer kleineren Bühne älteres Material gespielt, quasi als Symbol der frühen Tage. Im zweiten Teil des Konzertes gab es dann das volle Brett."

Volles Brett heißt auch voller Preis?

"Natürlich ist so etwas nicht ganz billig, da der Produktionsaufwand enorm war. Aber sicher ist schon jetzt, dass die "Live in Frankfurt"-2-DVD- Plus weniger kosten wird als die Tournee-DVD."

Was macht dir eigentlich mehr Spaß: Auf kleinen Bühnen das Flair früherer Tage noch einmal zu erleben, oder auf riesigen Bühnen komplett euren aktuellen Status zu genießen?

"Ich stehe lieber auf großen Bühnen, obwohl natürlich beides seinen Reiz hat. Ich erinnere mich gerne an schwitzige Konzerte im Bremer "Aladin" zurück, aber ich habe festgestellt, dass ich noch lieber riesige Bühnen, viel Licht und gute Sicht mag. Ich spiele übrigens auch gerne bei Tageslicht. Man kann da sehr gut in die Gesichter der Fans auch in den hinteren Reihen schauen. Das ist bei Dunkelheit ja meistens nicht möglich."

Letzte Frage: Ihr bastelt zur Zeit schon wieder an einem neuen Studioalbum. Konzerttermine für Mai nächsten Jahres stehen auch schon, der Terminplan ist also eng gesteckt. Was können eure Fans von euch im nächsten Frühjahr erwarten. Konkret: Wie wird das nächste Onkelz-Album klingen?

"Es ist natürlich noch viel zu früh, um diesbezüglich Prognosen abzugeben. Es gibt zwar bereits einige neue Songs, ich schreibe momentan an den Texten, aber wie konkret das Endergebnis ausfallen wird, weiß verständlicherweise zur Zeit noch niemand so ganz genau. Auf jeden Fall soll die nächste Scheibe natürlicher klingen, nicht ganz so perfekt. Ich habe noch nie soviel Bass gespielt wie auf den neuen Songs."

Das heißt: Die Phase der Experimente ist vorbei?

"Na ja, wir werden auch weiterhin Keyboards und Synthesizer einsetzen. Ich denke, die nächste Scheibe wird eher einen 70er Jahre-Touch haben und nicht ganz so düster klingen wie die vorherige. Auf jeden Fall werden die Songs schön rockig!"

von Matthias Mineur

Quelle: EMP

[EMP website]

Beitrag von 3tioz-Team

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