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Aufruf gegen das "Böhse Onkelz" Konzert in Ulm am 28.5.2002
Kreischende E-Gitarren im Hafen von Dschibuti: "Wir haben noch lange nicht, noch lange nicht genug", gröhlen die "Böhsen Onkelz" aus den Lautsprechern des Schnellbootes Bussard, das gerade in der ostafrikanischen Stadt einläuft. (aus einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa über das Eintreffen der deutschen Marine in Dschibuti, 05.04.2002). Den Sound der Neuen Mitte ausschalten
Aufruf gegen das "Böhse Onkelz" Konzert in Ulm am 28.5.2002
Die Band, die den deutschen Krieg begleitet und die deutschen Charts dominiert, kommt am 28.5.2002 zu einem Konzert in die Ulmer Donauhalle - Die "Böhsen Onkelz"
Deren Auftritt in Ulm im November 1998 zählte die Bundesregierung zu den größten neofaschistischen Konzerten des Jahres. An die 3000 erschienenen Gesinnungskameraden wurden Flyer des Ulmer Nazirock-CD-Großhändlers Thorsten Moeske (clockwork-records) und des neofaschistischen Versandhändlers und Nazirock-CD-Covergestalters Bernd Christoph (heute Ulm-Lehr) verteilt.
Mindestens fünf Personen fielen während des Konzertes durch Zeigen des Hitler-Grußes auf. Denn wenn die "Onkelz" spielen, dann kommt auch ihr dumpfes, deutsches, zum größten Teil männliches und zum Teil neofaschistisches Publikum.
Nicht nur, dass ihre Platten immer noch in einschlägigen Blättern angeboten werden, auch die NPD-Jugendorganisation "Junge Nationaldemokraten" rief vor zwei Jahren dazu auf, bei Konzerten der Band "den Nationalismus in die Konzertsäle" zu tragen.
Einer Musik, die zu so etwas Anlass gibt, trauen wir nicht.
Viele Flüchtlinge und MigrantInnen wurden und werden Opfer von Nazis, die sich durch Rechtsrockvor ihren Überfällen aufputschen. "Türkenfotze abrasiert, Türkenfotze nassrasiert, Türkenfotze , Türkenpack raus aus unserem Land..." sang der wegen des Anschlages auf das Haus der Familie Genc in Solingen verurteilte Nazi Felix Köhnen seiner Mutter nach dem Brandanschlag von Mölln vor. - Der Text stammt von einer verbotenen Platte der "Böhsen Onkelz".
Aber auch heute noch legale Songs wie "Bomberpilot" brachten z.B. drei Neofaschisten im Jahre 1991 im niederrheinischen Hünxe bei einer Fete mit Koma saufen und OI-Musik so richtig in Schwung: "Ich weiss es ist gemein, doch die Welt ist viel zu klein - also lasst uns bombardieren, bombardieren. Ich bin der Bomberpilot, bringe euch den Tod" singen die Onkelz und die Nazis "bombardierten" nach der Fete ein Asylbewerberheim und verletzten ein libanesisches Mädchen lebensgefährlich. Diese Beispiele liessen sich fortsetzen....
...Wir werden die "Böhsen Onkelz" nicht in einem Atemzug mit neonazistischen Bands nennen; der Imagewechsel der "Onkelz" hat im Gegenteil subtil und wirksam dafür gesorgt, daß sich Rechtsradikales in Rechtsnormales hat wandeln können und so eine Musik, die nicht weit von Peter Maffay, Wolfgang Petry und den Scorpions entfernt ist, der Ideologie auch musikalisch genau das Antliz der Normalität verschaffte, das diese bereits in weiten Teilen unserer Gesellschaft trägt.
Aus den "Böhsen Onkelz" spricht das gefährliche Gemenge von Selbstmitleid und Stolz, "sich nichts sagen zu lassen", das seinen Hass an allem Fremden entlädt, an Ausländern, Schwulen und Lesben ebenso wie an Interlektuellen und anderen vermeintlich Schwächeren, denen sich solche Fans zumindest physisch überlegen fühlen. Wenn die Fans der "Böhsen Onkelz" bemüht sind, darauf hinzuweisen, sie hätten mit Neonazis nichts (mehr) zu tun, dann haben sie insofern Recht, geht es hier bestenfalls "nur" um den "Extremismus der Mitte", den ganz normalen Rassismus, die ganz normale Vergewaltigung, Gewalt und Unterdrückung....
...Bei der in der Donauhalle zu erwartenden Klientel handelt es sich um jene "willigen Helfer", von denen Daniel Jonah Goldhagen bezüglich einer anderen Zeit bereits geschrieben hat. Weil die Normalität, deren angebliche Harmlosigkeit eine Lüge ist, jene Normalität von Krieg, Abschiebeterror, Schrebergärten, Jägerzäunen, Donaufest und Gartenzwergen ist müssen wir die "Onkelz" und ihre Fans weiterhin als das fürchten, was sie vorgeben nicht zu sein.
Auszüge aus einem Flugblatt der Antifa Ulm/Neu-Ulm
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