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Wer die Böhsen Onkelz als ehemalige Faschoband abtut, macht es sich sehr reicht. Denn es gilt hier, ein Rockphänomen zu erklären: Wie schaffen es die Onkelz, mit kaum nennbarer Promotion täglich vor ausverkauftem Haus zu spielen (gilt auch für die Olympiahalle )? Warum pilgern Fans aus ganz Süddeutschland zu den erklärten MTV-Feinden? Ganze Busladungen von grobschlächtigen Headbangern und biedere Hausmuttis um die 50?
Die vier Frankfurter widmen ihre Songs "all den Lügenfratzen, die uns täglich in der Glotze begegnen, und uns vorheucheln, wir lebten in einer Demokratie." Universalprotest auf Großleinwandformat. Man bedient auch die stumpferen Facetten des Zuschauers, etwa bei der Mitgröhlnummer "Ach, Sie suchen Streit". Es geht gegen die "Kirche" und die "Pressefuzzis". Jedem Zuhörer wird ein Feindbild geboten, das an seinem womöglich nicht ganz so geraden Lebensweg schuld sein könnte. Andererseits gibt es wirklich große Momente an diesem Abend: Der melancholisch-schleppende "Platz neben mir"oder das Abschluss-Ritual der "Erinnerung". Die Lightshow ist beeindruckend, Sänger Kevin Russell recht angeschlagen. Doch das macht Textzeilen wie "Hier ist Kevin, Eure Stimme aus der Gosse" nur glaubwürdiger. Frontmann Stephan Weidner mag man massive Prolligkeit vorwerfen. Jedoch verkörpert er wie kein anderer, was Onkelzfans so schätzen: kämpferischen Mut für die Außenseiter und Linksliegengelassenen der Gesellschaft.
DAVID WEIGEND
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