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Die Böhsen Onkelz hören auf. Nach 24 Jahren eines wilden und höchst erfolgreichen Ritts durch die deutsche Musiklandschaft, ist nun Schluß. Ein Schock für Fans, ein Seufzer der Erleichterung von Kritikern. Die Onkelz waren nie eine politisch korrekte Band, und um ehrlich zu sein – Gott sei Dank – wollten sie es auch nie sein. Diese Band aus Frankfurt provozierte, scherte sich einen Dreck um den Medienzirkus und ein schlechtes Image. Sie hatten ihren Spaß auf ihrem rauen, lauten und harten Gitarrentrip. Die Böhsen Onkelz überraschten viele, die glaubten, die Band würde einfach im Nichts verschwinden. Die Kritiker übersahen schlichtweg die riesige Fangemeinde, die loyalste im Musikgeschäft. Seltsamerweise war man als Fan der Onkelz ein Teil der Familie. Die Böhsen Onkelz lebten bist zum Schluß den Geist des Punks aus ihren Anfangstagen. Mit einem letzten Album und einer ausverkauften Tour verabschieden sie sich von ihren Fans und dem Phänomen Böhse Onkelz. Sie haben ihren Platz in der Musikgeschichte, klar und laut. Wird es nochmal eine Band wie diese geben? Wahrscheinlich nicht, denn die Onkelz haben etwas erreicht, was nicht geschehen durfte. Sie wurden zur Legende ohne anderen in den Hintern zu kriechen, ohne sich zu verbiegen, ohne das wichtige Musikfernsehen zu hofieren. Radio Goethe sprach mit Stephan Weidner über das letzte Kapitel in der Bandgeschichte.
Radio Goethe: Eure neue Single ist auf Platz zwei in die deutschen Charts eingestiegen, Eure kommende Tour ist bereits ausverkauft. Warum hört er auf der Spitze Eurer Karriere auf?
Stephan Weidner: Genau deshalb. Wir wußten, dass die Onkelz ein frühes Ende haben werden, dass wir nicht so enden wie die Rolling Stones oder andere Bands, die wir in der Vergangeheit mochten und die es einfach zu lange gab. Uns war schon immer klar, dass wir aufhören, wenn wir ganz oben sind, wenn wir alles erreicht haben. Und dieses Gefühl haben wir jetzt.
Radio Goethe: Glaubst Du nicht, Eure Kritiker werten das letztendlich als Sieg?
Stephan Weidner: Das weiss ich nicht und das interessiert mich auch nicht. Wir haben diesen Entschluß getroffen, es ist ein Gefühl, das da ist, jetzt ist die Zeit gekommen. Wir haben nicht daran gedacht, wie die Medien darauf reagieren würden. Das ging von unseren Herzen aus.
Radio Goethe: Wann und wie habt Ihr diese Entscheidung getroffen. War es schon länger klar, noch bevor ihr am neuen Album “Adios” gearbeitet habt?
Stephan Weidner: Ja, das war es. Aus diesem Grund wollten wir auch, dass das Album sehr positiv klingt. Es ist für uns nicht das Ende der Musik. Es ist auf alle Fälle das Ende der Onkelz, aber es gibt ein Leben danach. Wir hatten das immer beim Schreiben der neuen Songs im Kopf und versuchten dem Album einen positiven “Touch” zu geben. Damit unsere Fans nicht zu sehr leiden. Also ja, wir wußten es seit einiger Zeit und sprachen schon seit längerem darüber.
Radio Goethe: Zurückblickend musstet ihr in den letzten 24 Jahren mit vielen umgehen, Eure Musik und die Band wurde nie richtig fair behandelt. Wie habt Ihr dieses ganzen Anfeindungen wegstecken können?
Stephan Weidner: Weil wir tonnenweise positive Reaktionen hatten. Und seltsamerweise hat uns das bestärkt, uns voran getrieben. Weißt Du, wir gehen damit gerne um, wir stellen uns gerne dem Sturm. Dagegen zu sein ist unsere treibende Kraft.
Radio Goethe: Wie werdet Ihr “Adios” live auf der letzten Tour präsentieren?
Stephan Weidner: Wir haben eine neue Bühne gebaut und werden sechs, sieben Songs von “Adios” live spielen. Die Bühne ist sehr ungewöhnlich, wir wollten etwas neues ausprobieren. Aber das ist schwer übers Telefon zu beschreiben. Das muss man einfach sehen.
Radio Goethe: Die Böhsen Onkelz ist nicht nur eine Band, es ist “Die Firma”, mit Konzertagentur, Merchandise, Plattenlabel. Was wird aus all dem?
Stephan Weidner: Auf alle Fälle wollen wir das Label am Leben erhalten und ich denke derzeit darüber nach, junge Bands aus Deutschland und aus dem Ausland zu produzieren. Doch das hängt davon ab, welche Demos wir bekommen. Das Label wird es weiter geben, die Merchandise Firma wird es natürlich auch weiterhin geben. Heute ist nicht der letzte Tag. Wir wollen auch noch einiges veröffentlichen, vielleicht eine Film-Dokumentation und natürlich eine Live-DVD und Live-CD von unseren letzten Shows und vielleicht dem allerletzten Konzert im nächsten Jahr zum 25jährigen Bestehen. Das wird eine riesige Abschiedsshow. Dieses langsame Ausscheiden macht es für uns und die Fans leichter. Wir streiten ja nicht in der Band, wir haben nur immer gesagt, dies ist ein guter Zeitpunkt, um aufzuhören, oben an der Spitze. Das wollten wir schon immer. Es war eine harte Entscheidung, doch die mußte kommen.
Radio Goethe: Ihr habt Euer eigenes Label “Regel 23”, wie sehr werdet Ihr Euch in Zukunft dort einklinken?
Stephan Weidner: Das kann ich Dir noch nicht sagen. Darüber haben wir noch nicht nachgedacht. Ein Label ist immer ein finanzielles Risiko und ich weiß nicht, ob die anderen dieses Risiko mit mir eingehen wollen. Ich für meinen Teil werde an “Regel 23” arbeiten. Der Rest ist noch unklar, das wird sich zeigen. Die Onkelz haben uns so eingespannt, wir hatten noch keine Zeit darüber nachzudenken.
Radio Goethe: Ihr hattet noch keine personelle Veränderung in der Band und wie es sich heute hier anhört, gibt es auch keine persönlichen Schwierigkeiten unter Euch. Ist es also wirklich nur eine musikalische Entscheidung?
Stephan Weidner: Ja, denn es gibt so viele schlechte Beispiele von Bands, die es zu lange gibt. Die bringen nur noch Scheiße heraus oder kopieren sich selbst oder finden sich nach Jahren wieder zusammen und veröffentlichen ein Album, das keiner braucht. Wir wollen das nicht. Wir haben noch immer dieses Punk Gefühl in uns. Was ich sagen will ist, es kostet uns eine Menge, diesen Entschluß zu fassen. Wie schon gesagt, wir streiten nicht und haben auch keine Probleme miteinander. Aber wir werden auch älter und müssen einfach einsehen, dass man mit einem eventuellen weiteren Album und einer weiteren Tour in zwei, drei Jahren nicht unbedingt in einer besseren Verfassung ist. Allein diese Frage macht mich nachdenklich. Deshalb haben wir darüber gesprochen und sind zu diesem Schluß gekommen. Ja, das ist nicht leicht, aber, wie schon gesagt, wir sind davon überzeugt.
Radio Goethe: Im kommenden Jahr ist Euer 25jähriges Bestehen, wie werdet Ihr dieses letzte große Event feiern?
Stephan Weidner: Was ich mir zur Zeit vorstelle ist ein Konzert über zwei Tage. Uns gibt es schon seit 25 Jahren, wir haben so viele Songs, die wir nie in einem Konzert spielen könnten. Also wäre ein Festival klasse mit allen Bands, die uns über die Jahre unterstützten. Und wir sind Headliner bei beiden Shows, am ersten Abend spielen wir vielleicht nur die alten Sachen und die neueren am zweiten, so in der Art. Es wird auf alle Fälle klasse für die Fans werden.
Radio Goethe: Onkelz Fans sind sehr loyal, die Liebe zur Band brachte sie zusammen. Für viele kam Euer Entschluß als ein Schock. Gibt es ein paar Abschlußworte von Dir?
Stephan Weidner: Das ist schwer zu sagen. Wir geben ihnen ein gutes Gefühl, es gibt ein Leben nach den Onkelz, sei nicht so traurig. Natürlich haben wir auch einen Good-bye Song, der allerdings nicht traurig ist, denn das sind wir auch nicht. Es war so eine unglaubliche Karriere, in der wir Geschichte schrieben. Wir sind stolz darauf und wollen uns mit dem besten Gefühl davon verabschieden. Und ich hoffe, die Fans machen das gleiche.
Radio Goethe: Einige Fans hier drüben wundern sich über Euren Mexiko/Spanien Einfluß in Eurer Musik, woher kommt der?
Stephan Weidner: Ich habe ein Grundstück in Costa Rica und ich fühle mich sehr wohl in Mittel- und Südamerika. Habe dort viele Freunde und empfinde eine Art Verbundenheit. Spirituell hatte ich eine interessante Erfahrung in Mexiko. Das war für mich etwas besonderes in diesen Ländern zu reisen. Das könnte der Grund sein. Und ich verbringe viel Zeit in Spanien, ich mag die Spanier.
Radio Goethe: Ich wünsche Euch viel Glück für alles was da auf Euch zu kommt.
Stephan Weidner: Thank you for all your support.
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