Die
Böhsen Onkelz sind:
Kevin Richard Russell (Gesang)
Stephan
Weidner (Bass, Keyboard, Gesang)
Peter
"Pe" Schorowsky (Schlagzeug)
Matthias
"Gonzo" Röhr (Gitarre) |
|
Statement von Edmund Hartsch (Band- und Pressebetreuer)
vom
15. März 2001 im Forum von spiegel.de
Guten Tag Muss
ich mich denn heute morgen schon wieder aufregen? Pressefreiheit
ist eine feine Sache, beinhaltet sie doch gewissermaßen das
Recht, über alles und jeden berichten zu dürfen. Was Sie
Herr Geyer jedoch übersehen und da befinden Sie sich in guter
Gesellschaft, ist die Tatsache, dass Pressefreiheit auch die Pflicht
zur Akkuratesse, zur sauberen Recherche mit einschließt und
von Recherche kann bei Ihrem Artikel ja wohl kaum die Rede sein.
Sie hätten z.B. mal hier beim Onkelz-Management anrufen und
sich informieren können. Aber Schwamm drüber, wir sind
ja schlechte Presse gewohnt. Kleine Statistik gefällig? Von
ca. 7-8000 Presseartikeln über die Böhsen Onkelz sind
ca. 80% von so grotesk schlechtem Inhalt, daß sich die faktischen
und haarsträubenden Fehler in diesen Artikeln im Handumdrehen
nachweisen ließen. Da werden Namen, Jahreszahlen, Daten und
Fakten durcheinander geworfen und aufs Fantasievollste miteinander
verknüpft, Textstellen werden aus dem Zusammenhang gerissen
und Zusammenhänge so dermaßen verzerrt dargestellt, dass
dem Leser gar keine andere Möglichkeit bleibt, als die Band
zu verteufeln, oder sich angeekelt von ihr abzuwenden. Ach ja, war
es nicht der Spiegel, der in seiner 41/92 Ausgabe in einem breit
angelegten Artikel über die Gefahr der Musik von rechts einen
Beitrag über die ach so gefährlichen Böhsen Onkelz
ein falsches Foto veröffentlichte, nämlich das der Bluesband
Formation SO 36. Na ja, macht ja nix, hat ja keiner gemerkt, gell?
1992 hatten
sich die Böhsen Onkelz bereits seit über 6 Jahren aus
der "Szene" gelöst und ihre Plattenverkäufe
überschritten die 250.000er Marke, während die wirklich
rechten Bands zu diesem Zeitpunkt nicht mehr als 500-1000 Einheiten
verkauften. Dennoch warfen Sie damals schon diese Bands alle in
einen Topf. Sie Herr Geyer und somit die gesamte Spiegel Redaktion
hätten sich schon 1992 Ihrer Verantwortung bewusst werden müssen
und erkennen müssen, dass die Onkelz seit 1986/87 nicht mehr
in dieses Lager gehören. Im Übrigen können Sie nicht
immer behaupten, es hätte keine eindeutigen Distanzierungen
gegeben, nur weil Ihnen die Quellen hierzu fehlen. Jetzt gehen Sie
hin und bezeichnen "Türken Raus" als einen "Hit"
und somit als einen Chartbreaker. Geht's noch?
"Türken
Raus" wurde 1980 als einer der ersten Songs geschrieben und
vor einer Horde von 50 - 100 betrunkenen Punks aufgeführt.
Von diesen "Gigs", denn Konzerte konnte man das damals
ja wohl noch nicht nennen, gab es genau 8. Als Skinheadband von
1983 bis 1986 gab es 5 Gigs vor ca. 200-300 Leuten und dort wurde
Türken Raus niemals live vorgetragen. "Deutschland den
Deutschen" wurde auf einem einzigen Gig in Berlin 1983 gespielt.
Beide Songs sind niemals veröffentlicht, sondern nur auf einem
Demotape eingespielt worden, dass jedoch im Untergrund bis heute
häufig kopiert worden ist. Wo haben Sie denn zum ersten Mal
von diesen Songs gehört, Herr Geyer? Doch wohl erst in der
Presse von 92-95, oder? Diese Songs sind nun 20 bzw. 18 Jahre alt,
aber immer noch hauen Sie in die gleiche langweilige Kerbe und sprechen
hier von "Hits". Sie sagen, dass die Böhsen Onkelz
die Musik mit diesen "Hits" auf Rechtskurs gebracht hätten.
Das ist nicht nur falsch und dumm, sondern auch gefährlich.
Es gibt Hunderte von expliziten Statements der Böhsen Onkelz,
in Fanzines, Fachblättern, Musikzeitschriften, auf Video, im
Fernsehen, im Radio und anderswo, bzgl. dieser Songs und ihrer Distanzierung
zur rechten Szene. Nur weil Sie diese Statements nicht kennen, heißt
das nicht, dass es sie nicht gegeben hat, heißt das nicht,
daß die Böhsen Onkelz deswegen unglaubwürdig sind,
oder Ihre Distanzierungen halbherzig und möglicherweise aus
finanziellen Interessen stattgefunden haben. Ihre Spekulationen
Herr Geyer und Ihre Mutmaßungen, Ihre Polemik und Recherchefaulheit
geht weit über das Maß des Erträglichen hinaus.
Ich verfolge die Presse aufmerksam und auch die vielen gegen Rechts
Veranstaltungen. Wunderbar, dass Herr Lindenberg einen solchen Presserummel
mit seinen Gegen-Rechts-Konzerten ausgelöst hat. Das finanzielle
Ergebnis, die Hilfe für die Opfer der rechten Gewalt blieb
dann doch wohl eher spärlich. Merkwürdig, dass die Böhsen
Onkelz am letzten Wochenende mit nur einem einzigen Gig in der ausverkauften
Bremer Stadthalle unter der Schirmherrschaft der Ausländerbeauftragten
des Landes Bremen Frau Dr. Dagmar Lill und mit maßgeblicher
Unterstützung der mutigen Bands Megaherz, Sub7even, Kreator
und Destruction weit über 100.000,-- DM erspielt haben. Das
Geld wird nun ohne bürokratische Umwege an die Opfer der jüngsten
rechten Gewalttaten ausbezahlt. Ich habe allerdings nichts in der
Presse darüber gelesen. Komisch auch, dass es eine ähnliche
Veranstaltung der Onkelz in Bremen bereits 1993 gab und dass bereits
dort 11.000 Fans unisono "Nazis Raus" gebrüllt und
Stephan Weidners Ansagen gegen rechts bejubelt haben. Auch damals
gab es keine Presse. Sicherlich sagen Sie jetzt wieder, dass das
auch nur eine Imagekampagne war, aber dann muss ich Ihnen sagen,
dass die Onkelz sich seit 1990 in einem hohen Maße engagieren,
in einem Maße, das weit über das Übliche hinausgeht.
Kochen Sie nur
weiter Ihr Süppchen, aber wundern Sie sich nicht, wenn es Ihnen
trotz guten Willens nicht gelingt, das angespannte Klima innerhalb
der deutschen Jugendkulturen zu entschärfen. Toleranz und Integration
müssen wir diesen Jugendlichen vorleben und können sie
nicht blanko von ihnen einfordern. Und was den Echo angeht: Die
Onkelz sind nominiert, ja, schon zum zweiten Male, aber glauben
Sie, dass das einen von uns hier im B.O. Management interessiert?
Glauben Sie, dass es wichtig wäre für uns, von der Musikindustrie
akzeptiert zu werden? Die Onkelz stehen in einer Kategorie mit Pur,
den Toten Hosen, Modern Talking und Reamonn, na super, Herzlichen
Glückwunsch. Wen interessiert schon eine Musikindustrie, die
solche Produkte wie Zlatko oder No Angels fördert. "Kunst"
kommt in diesem Sinne von "künstlich". Ich persönlich
halte solche Sendungen wie Big Brother, in denen der pure Egoismus
propagiert wird für wesentlich gefährlicher für junge
Leute, als die teilweise derben Texte der Böhsen Onkelz. Und
außerdem halte ich es mit Bob Marley: "You can fool some
people some time, but you can´t fool all the people all the
time" In diesem Sinne, alles in allem keine Glanzleistung Herr
Geyer.
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